Die Stellwagen-Orgel in der Marienkirche zu Stralsund ist die größte, in der Mitte des 17.Jahrhunderts völlig neu gebaute Orgel, die in Europa noch besteht. Sie ist die einzige große Barockorgel, die in einer der Backsteinbasiliken Norddeutschlands erhalten ist und gleicht in Werkaufbau und Klangkonzept den berühmten, nicht mehr existierenden Instrumenten der Lübecker Marienkirche und der Hamburger Katharinenkirche, die im 17. und beginnenden 18.Jahrhundert durch das Wirken von Franz Tunder, Dietrich Buxtehude, Heinrich Scheidemann und Jan Adam Reinken Zentren der norddeutschen Orgelkunst waren. Vom Schaffen Friedrich Stellwagens geben heute nur noch zwei Instrumente Zeugnis - die kleine Orgel in der Jacobikirche zu Lübeck - ein umgebautes und vergrößertes gotisches Instrument - und die Orgel in St.Marien zu Stralsund, das größte und letzte Instrument, welches er mit seiner Werkstatt geschaffen hat. Mit 51 Registern auf 3 Manualen und Pedal, 12 Bälgen und einer über 20 Meter hohen Gehäusekonstruktion war dieses Werk eine handwerkliche und künstlerische Höchstleistung im Orgelbau des 17. Jahrhunderts.
Baugeschichte der Stellwagen-Orgel in St.Marien zu Stralsund
1653-1659
Bau der Orgel durch Friedrich Stellwagen aus Lübeck
Friedrich Stellwagen,1603 in Halle/Saale geboren, kam um 1630 als Geselle des kursächsischen Hoforgelbauers Gottfried Fritzsche nach Hamburg und ließ sich noch vor 1635 in Lübeck als selbständiger Meister nieder. Er war hauptsächlich in Hamburg und Lübeck tätig. Kurz nach Vollendung seines größten Werkes in Stralsund, St.Marien verstarb er im Frühjahr 1660 in Lübeck.
1775
Reparatur und Umbau durch Ernst Marx aus Berlin
1828
Reparatur und Umbau durch Carl August Buchholz aus Berlin Zwischen 1863 und 1873
Reparaturen und klangliche Änderungen durch Friedrich Albert Mehmel aus Stralsund
1943
Dokumentation der Orgel durch den Baustab Keibel, anschließend Abbau und Auslagerung in das Schloß Keffenbrink bei Grimmen durch die Orgelbauwerkstatt Emanuel Kemper (Lübeck)
1945
Rückführung der ausgelagerten Orgelteile mit Hilfe der Roten Armee 1951-1959
Wiederaufbau in mehreren Etappen mit Rekonstruktion der alten Disposition unter fachlicher Aufsicht von KMD Dr.Dietrich W.Prost durch die Orgelbauwerkstatt Alexander Schuke (Potsdam)
1972
Rekonstruktion der Zungenregister durch die Orgelbauwerkstätten Carl Giesecke (Göttingen) und Alexander Schuke (Potsdam) 1999/2000
Bestandsaufnahme und Dokumentation der gesamten Orgel durch das Göteborg Organ Art Center, die Orgelbauwerkstätten Kristian Wegscheider (Dresden) und Alexander Schuke (Potsdam) sowie ein Restauratorenteam unter Leitung von Hilke Frach-Renner (finanziert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung),Restaurierung der originalen Registerschilder des Spielschrankes von 1659 durch Hilke Frach-Renner (Dresden)
2003-2008
Restaurierung der Stellwagen-Orgel durch die Orgelbauwerkstätten Kristian Wegscheider (Dresden), Hans van Rossum (Andel/Niederlande) und Gunter Böhme (Dresden), Restaurierung des Orgelprospektes mit Ornamentik durch die Ateliers von Stephan Thürmer und Hilke Frach-Renner (Dresden),Finanzierung des Gesamtprojektes durch die Hermann Reemtsma Stiftung Hamburg